Ungenügender Abstand: Auch der Profi scheitert
2. Jun 2010 - Auto-Reporter.NET
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat mit einem „echten“ Unfall bei Tempo 100 deutlich gemacht, dass selbst ein Profi hinter dem Steuer nicht mehr reagieren kann, wenn der Vordermann plötzlich bremst und der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde. Die Folge: Bei 15 Metern Abstand – ein Wert der auf deutschen Autobahnen tagtäglich zu beobachten ist – krachen die Fahrzeuge mit erheblicher Wucht ineinander. (Die Crashtests sind im Internet unter www.youtube.de/unfallforschung zu sehen.)
Die Bundesstatistik weist für 2008 rund 43.000 Unfälle mit Verletzten oder Getöteten aus, bei denen die Ursache „Ungenügender Sicherheitsabstand“ war. Das sind rund 13 Prozent aller Unfälle dieser Kategorie. Auf Autobahnen wurden sogar 29 Prozent aller Unfälle mit Getöteten durch Auffahren verursacht. Ein Blick in die Unfalldatenbank der Versicherer zeigt auch, dass schwere und tödliche Verletzungen bei zwei fahrenden Fahrzeugen (wie im Live-Versuch) noch wahrscheinlicher sind als bei Auffahrunfällen, bei denen ein Fahrzeug schon steht. Außerdem steigt die Unfallschwere dramatisch an, wenn mehr als zwei Autos in den Crash involviert sind. Dann ist bei jedem dritten Unfall ein Schwerverletzter oder Getöteter zu erwarten.
Bei der genaueren Analyse dieser Auffahrunfälle außerorts fällt auf, dass 80 Prozent der Verursacher männlich sind und sich acht von zehn Unfällen auf frei befahrbarer Strecke ereigneten, ohne dass Kreuzungen, Einmündungen oder Kreisverkehre den Verkehrsfluss stören.
Warum halten so viele Autofahrer nicht den richtigen Abstand ein, obwohl die Regel: „Abstand = halber Tacho“ relativ einfach ist? Verkehrspsychologen verweisen auf eine fatale Wechselwirkung: Autofahrer schätzen in der Regel sowohl Entfernungen als auch Geschwindigkeiten zu niedrig ein. Dazu kommt, dass der „typische Auffahrer“ (männlich, mittleres Alter, beruflich gut situiert, langjährige Fahrpraxis, stark motorisiert, Vielfahrer) glaubt, mit seiner Fahrerfahrung das erhöhte Risiko kompensieren zu können.
Ergebnis der Unfallforschung der Versicherer ist, dass sich das Problem entschärfen lässt, wenn intelligente Tempomaten in Kombination mit Notbremssystemen in allen Pkws verbindlich vorgeschrieben werden. Verstärkt angeboten werden sollten nachrüstbare Abstandswarnsysteme. Über die Wahrnehmungsdefizite und Hilfsmittel (Tachoblick, Abstand der Leitpfosten) müsste mehr informiert werden. Und schließlich sollten sich regelmäßige Kontrollen den „Unbelehrbaren“ widmen. (auto-reporter.net/wr)







